2026 Sommerprogramm
Festwochen Gmunden News
Festwochen 2026 Sommerprogramm
„Kommen härtere Tage?“ mit diesem leicht abgewandelten Zitat aus Ingeborg Bachmanns Gedicht „Die gestundete Zeit“ eröffnen die Salzkammergut Festwochen Gmunden das diesjährige Sommerfestival und gleichzeitig einen Denkraum, der aufzeigt, dass das Werk der großen österreichischen Dichterin nichts an Dringlichkeit verloren hat. Es prägt einen Festwochensommer zwischen Sehnsucht, Widerstand und Poesie.
Die Salzkammergut Festwochen Gmunden greifen 2026 diesen Gedanken auf und verwandeln ihn in ein künstlerisches Programm, das sich nicht mit einfachen Antworten begnügt: „Ein Sommer, der berührt, herausfordert und verbindet. Zwischen See und Bergen entfaltet sich ein Festival, das Kunst und Kultur als lebendige Kraft versteht – als etwas, das Menschen zusammenführt, Räume öffnet und neue Perspektiven schafft“, betont Johanna Mitterbauer. Mit einer einzigartigen Verbindung aus künstlerischer Exzellenz, regionaler Verankerung und mutigen inhaltlichen Setzungen positionieren sich die Festwochen einmal mehr als kulturelles Leuchtturmprojekt weit über Oberösterreich hinaus.
DIE KUNST DER NÄHE
Mit dem neuen künstlerischen Leiter Musik Rafael Fingerlos rückt die Musik ins Zentrum einer neuen Erfahrung: weg von der Distanz, hin zur unmittelbaren Begegnung. Das neu konzipierte Liedfest macht das Lied – oft als intimste aller musikalischen Formen bezeichnet – zum programmatischen Kern. Hier wird Sprache zu Klang, Emotion zu Verdichtung. Sänger:innen und Pianist:innen treten in einen direkten Dialog mit dem Publikum – ohne Distanz, ohne Pathos, aber mit großer Intensität.
Gleichzeitig entstehen neue Formate, in denen große Klangkörper neu gedacht werden: Orchester in kleinen Formationen eröffnen ungewohnte Hörperspektiven, lassen Strukturen transparent werden und machen musikalische Prozesse sichtbar. „Wir wollen Musik nicht nur präsentieren, sondern erfahrbar machen – als etwas, das uns unmittelbar betrifft. Das Lied, die Reduktion, die Nähe: Dort beginnt für mich eine neue Ehrlichkeit des Hörens“, erläutert Rafael Fingerlos.
Ein Höhepunkt des Sommers ist die Jubiläumsgala des Bruckner Orchester Linz, das sein 60-jähriges Bestehen mit uns feiert – ein musikalisches Ereignis von monumentaler Kraft und emotionaler Tiefe. Darüber hinaus prägen herausragende Solist:innen und Ensembles das klassische Programm: Mitglieder der Wiener Philharmoniker bringen ihre unverwechselbare Klangkultur an den Traunsee, während die Neuen Wiener Solisten sich mit feinem Gespür jenen Komponisten widmen, die mit der Region verbunden sind – eine musikalische Verortung zwischen Landschaft und Klang.
Mit dem Format „Stars der Zukunft – vom Traunsee auf die Weltbühnen“ richtet sich der Blick zugleich nach vorne: Der vielfach ausgezeichnete Pianist Roman Fediurko steht exemplarisch für eine neue Generation von Künstler:innen, die mit technischer Brillanz und interpretatorischer Tiefe begeistern. So entsteht ein Spannungsfeld aus großer Tradition und künstlerischem Aufbruch, das den Klassik-Schwerpunkt dieses Sommers in besonderer Weise prägt.
RESONANZEN IM FREIEN
Wenn sich der Toscanapark öffnet und der Blick über den Traunsee schweift, wird Musik Teil eines größeren Ganzen. Die Open-Air-Reihe der Festwochen schafft Räume, in denen sich Klang, Natur und Atmosphäre verbinden – flüchtige, aber intensive Momente, die sich ins Gedächtnis einschreiben. Ein besonderer Akzent liegt auf dem Dialog zwischen Kunstformen: Der oberösterreichische Künstler Parov Salzkammergut Festwochen Gmunden 2
Stelar verbindet Konzert und Ausstellung zu einem interdisziplinären Projekt, das Musik und bildende Kunst miteinander verschränkt – ein Spannungsfeld zwischen Rhythmus, Bild und Raum.
Mit HERstage setzen die Festwochen zudem ein kraftvolles Zeichen: Junge, außergewöhnliche Frauenstimmen treten in den Mittelpunkt und eröffnen neue klangliche Perspektiven – selbstbewusst, vielschichtig und von beeindruckender künstlerischer Eigenständigkeit geprägt. Hier wird nicht nur gehört, sondern Haltung spürbar gemacht: eine Generation von Musikerinnen, die sich ihren Raum nimmt und ihn mit unverwechselbarer Stimme füllt. Hier entstehen keine klassischen Konzertabende, sondern Erfahrungsräume: offen, sinnlich und zeitgenössisch.
DIE KRAFT DER SPRACHE
Im Zentrum des Literaturprogramms stehen zwei große Stimmen des 20. Jahrhunderts: Ingeborg Bachmann und Thomas Bernhard. Mit dem BACHMANN.FEST und dem BERNHARD.FEST widmen die Festwochen der Schriftstellerin und dem Schriftsteller eigene programmatische Räume. Ihre Texte – geprägt von sprachlicher Präzision, existenzieller Schärfe und kritischem Blick auf Gesellschaft und Herkunft – werden in Lesungen, szenischen Abenden und performativen Formaten neu erfahrbar.
So wird etwa Bachmanns „Das dreißigste Jahr“ ebenso lebendig wie ihre zutiefst bewegenden Briefe an ihren Geliebten Paul Celan in „Herzzeit“, während Bernhards Werk in Darbietungen wie „Die Billigesser“ oder dem „Monolog des Fürsten Saurau“ aus seinem Roman „Verstörung“ seine ungebrochene Aktualität entfaltet.
Mit Elisabeth II von Thomas Bernhard setzen die Salzkammergut Festwochen Gmunden ihre erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Landestheater Linz fort. Das Stück zählt zu Bernhards präzisesten und zugleich bitterkomischsten Auseinandersetzungen mit gesellschaftlicher Repräsentation und Selbstinszenierung und legt mit scharfem Blick die Mechanismen von Macht, Fassade und Selbsttäuschung offen – Themen, die heute aktueller denn je erscheinen. Die Inszenierung eröffnet einen pointierten, zeitgenössischen Zugriff auf dieses radikale Werk und wird an drei Abenden als besonderes Theaterereignis zu erleben sein.
Ein besonderer Moment ist die Festivaleröffnung selbst, die Bachmann und Bernhard als „Geistesverwandte“ zusammenführt – zwei Stimmen, die unsere Gegenwart spiegeln und hinterfragen. „Theater und Literatur sind für mich Orte der Wahrhaftigkeit. Gerade heute brauchen wir Texte, die nicht beruhigen, sondern aufrütteln – die uns zwingen hinzusehen, wo wir vielleicht lieber wegschauen würden“, beschreibt Karin Bergmann den Anspruch ihres Programms.
Zugleich bleibt das Theater ein Ort des Dialogs mit der Zukunft: Mit Thomas Bernhards biografischem Text „Ein Kind“ geben wir Schüler:innen die Gelegenheit sich auf unterschiedliche Art und Weise dem Werk des großen Dichters zu nähern, im Austausch mit Pädagog:innen und Theaterprofis. Kunst wird hier zur interaktiven Kommunikation.
Und doch sind es nicht nur die großen Texte, sondern auch die Menschen, die diesen Sommer prägen: Künstler:innen wie Harald Schmidt, Michael Maertens, Sven-Eric Bechtolf, Sona MacDonald, Hermann Beil, Philipp Hochmair, Ernst Molden oder Petra Morzé kehren Jahr für Jahr zurück – und machen die Festwochen zu einem Ort der Kontinuität und künstlerischen Freundschaft.
ZWISCHENRÄUME UND NEUE WELTENTWÜRFE
Die bildende Kunst der Festwochen denkt weiter: Sie sucht nicht nur nach Formen, sondern nach Haltungen. Ausgehend von diesem Anspruch begibt sich beispielsweise die Sommerfrische der Kunstuniversität Linz 2026 bewusst ins Philosophische – als Ausstellungs- und Forschungsformat an der Schnittstelle von Kunst, öffentlichem Raum und gesellschaftlicher Reflexion. Im Toscanapark und der Villa Salzkammergut Festwochen Gmunden 3
Stonborough entstehen temporäre Arbeiten, die Sprache, Raum und Verantwortung neu verhandeln – Kunst als offener Denkprozess.
Gleichzeitig lebt das Kunstprogramm von einem dichten Netzwerk an Kooperationen: Partner:innen wie die Galerie 422, das Museum Angerlehner, die Emmanuel Walderdorff Galerie, die Zinkenbacher Malerkolonie, das Papiermachermuseum Laakirchen sowie Formate wie die POTENTIALS OÖ bringen unterschiedliche künstlerische Handschriften und Perspektiven zusammen.
So entsteht ein vielstimmiges Gefüge aus etablierten Institutionen und neuen Allianzen, aus regionaler Verankerung und internationalem Dialog. Vertraute wie neue Partner:innen ermöglichen eine künstlerische Auseinandersetzung mit uns selbst – und mit der Welt – und machen die Festwochen zu einem lebendigen Ort des Denkens, Sehens und Hinterfragens.
DIE LANDSCHAFT ALS MITSPIELERIN
Kaum ein Festival ist so eng mit seiner Landschaft verwoben wie die Salzkammergut Festwochen Gmunden. Ob im Stadttheater Gmunden, in der Hipp Halle, am Frauscher Hafen, im ALFA Steyrermühl, der Pfarrkirche Traunkirchen oder im Thomas Bernhard Haus in Ohlsdorf – jeder Ort trägt eine eigene Geschichte in sich. Diese Orte sind nicht bloß Kulisse, sondern Teil der künstlerischen Erfahrung: Sie prägen Wahrnehmung, Atmosphäre und Bedeutung.
EIN SOMMER DER VERBINDET
Was die Salzkammergut Festwochen Gmunden auszeichnet, ist mehr als die Summe ihrer Programme: Es ist die Haltung, Kunst und Kultur als verbindende Kraft zu begreifen.
Die Festwochen sind ein Ort der Begegnung – zwischen Menschen, zwischen Generationen, zwischen Kunstformen – und schaffen gerade in einer Zeit der Verunsicherung Räume für Austausch, Offenheit und gemeinsames Erleben.
Sie laden ein, innezuhalten, sich berühren zu lassen – und vielleicht auch, neue Fragen zu stellen. Denn Kunst entsteht dort, wo man nicht aufhört zu fragen. So wird dieser Sommer zu einem Raum der Begegnung, der Neugier und des gemeinsamen Suchens.
Das vollständige Programm und weitere Informationen finden Sie unter
www.festwochen-gmunden.at/de/aktuelles-programm