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Reigen

Reigen | Sebastian Wendelin ©Rudi Gigler

gestern feierten wir mit einem wunderbaren Ensemble Premiere von Arthur Schnitzlers REIGEN im Stadttheater Gmunden.

Regisseur Franz-Xaver Mayr und Korbinian Schmidt, der für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnet, haben den REIGEN  ins Heute überführt. Das Publikum im vollbesetzten Haus war von der mutigen Inszenierung und den herausragenden Schauspieler*innen begeistert: „So etwas hat Gmunden noch nicht gesehen“, „mit Arthur Schnitzlers Partner-wechsle-dich-Spiel in Franz-Xaver Mayrs Regie katapultiert sich der Gmundner Theatersommer unter der neuen Leitung von Ex-Burgtheater-Chefin Karin Bergmann auf Anhieb in die Oberliga der Sommerfrischetheater“, „die Dialoge funkeln so frisch, dass man nach jedem zweiten Satz seinen Hut ziehen möchte vor Begeisterung“.

Spürbar bilden die Schauspieler*innen eine Gemeinschaft, wo jeder auf jede hört, alle miteinander spielen und solistische Höchstleistungen von den Kolleg*innen mitgetragen werden. Insbesondere Tim Breyvogel als junger Herr und Graf und Sebastian Wendelin als Soldat und Ehemann brillieren in Schnitzlers brillanten Dialogen. Dorothee Hartinger verkörpert als Schauspielerin die einzige Frauenfigur, die mehr Macht hat als ihre Partner. Vorbild war Schnitzlers Geliebte, die Burgschauspielerin Adele Sandrock. Der Sexualakt ist abstrahiert, in unterschiedlicher Konstellation wird ächzend und zitternd Aufbau und schließlich Lösung der Erregung gemimt, (meist) angekleidet. Als Hartinger Breyvogel auf den Mund küsst wirkt das sehr stark, weil es bis zu diesem Moment keine erotischen körperlichen Berührungen gegeben hat. Augenblicklich spürt man die Intensität des Augenblicks, wo Körper sich berühren.

Inszenierung: Franz-Xaver Mayr | Bühnenbild & Kostüme: Korbinian Schmidt

Dramaturgie: Julia Engelmayer, Hans Mrak | Musik: Luiza Schulz Vazquez

Mit: Tim Breyvogel, Marthe Lola Deutschmann, Patricia Falk, Anna Golde, Jonas Graber, Dorothee Hartinger, Nikolaus Lessky, Riccardo Pallotta, Elisa Plüss, Luisa Schwab, Helena Vogel, Nora Wahl, Sebastian Wendelin

Koproduktion mit dem Landestheater NÖ. In Zusammenarbeit mit der MUK - Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien. Ab 17.09.22 ist der Reigen dann im Landestheater Niederösterreich www.landestheater.net zu sehen.

Über den Reigen: Reigen, das hieß vor 100 Jahren, als das Stück zuerst in Berlin, danach in Wien ur- und erstaufgeführt wurde: Skandal, Aufruhr, Prozess, Verbot. Doch die heftig angeprangerte Pornografie kommt im Stück nicht vor – stattdessen erzählt Arthur Schnitzler vom Suchen, Verführen, Finden und Verfehlen in den flüchtigen sexuellen Affären, durch die er seine zehn Figuren taumeln lässt. Und zieht das ernüchternde Fazit, dass wirklicher Kontakt nur zwischen Körpern möglich, dass Sprache Lüge ist, erst Locken und dann Ausweichen. Die Liebe, so sie „Davor“ verheißen wird, sie ist „Danach“ im Rausch des Beieinander vergangen, die Menschen bleiben ernüchtert allein.

Ein zentraler Text der Moderne, überführt Reigen die große Unordnung zwischen Menschen in ein szenisches Rondo, das nichts von seiner Schärfe und seinem Witz eingebüßt hat.

Folgeveranstaltungen: Sonntag, 24. Und Montag, 25. Juli. Programm und Tickets: www.festwochen-gmunden.at, karten@festwochen-gmunden.at, Tel: 07612/70630-14, Festwochenbüro Gmunden, Theatergasse 10.