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Literatur / Lesung

Donnerstag, 26.07.2018 / 19:30

Hermann Beil

"Holzfällen" von Thomas Bernhard

Künstler

Hermann Beil - Lesung

Das Programm

Im März 1984 wird Claus Peymann zum neuen Direktor des Wiener Burgtheaters berufen. Der Dramatiker Thomas Bernhard, der in dem Regisseur Claus Peymann einen kongenialen künstlerischen Partner gefunden hatte, veröffentlicht ein knappes halbes Jahr später seinen Roman Holzfällen. Kaum erschienen, wird das Buch Ende August in Österreich auf gerichtliche Anordnung hin beschlagnahmt, weil sich Gerhard Lampersberg, ein ehemaliger Freund Bernhards, in der Figur des eitlen Komponisten Auersperg wiedererkannt und eine Ehrenbeleidigungsklage eingereicht hatte. „Holzfällen“ blieb daraufhin wochenlang verboten. Auch in anderen Figuren des Romans waren der Autor selbst und seine Zeitgenossen unschwer zu erkennen. Vor allem der anstehende Antritt des neuen Burgtheaterdirektors Peymann wird von Bernhard kaum verschlüsselt thematisiert und als Anfang einer neuen Ära markiert, in der ein „frischer Wind […] aus dem Burgtheater alles Fürchterliche, Abgestandene, längst Tote hinausblase“. Mit den für Bernhard typischen, wütenden monologischen Zeilen eines Ich-Erzählers zeigt er seine kompromisslose Sicht auf die Kunst- und Kulturszene Österreichs.

Hermann Beil war – als Weggefährte Claus Peymanns – das dramaturgische Gegenüber Thomas Bernhards und seiner Stücke. Gemeinsam realisierten sie Theaterabende, die im Gedächtnis des Publikums haften geblieben sind, und sorgten für handfeste Bühnenskandale wie die Aufführung von Heldenplatz am Wiener Burgtheater. Wie kaum ein anderer kennt er sowohl Bernhards bösartige Ironie als auch seine wütende Selbstanklage.

Hermann Beil, geboren in Wien am 9. August 1941, Studium der Literaturwissenschaft, Geschichte und Musik in Mainz, Theaterbeginn als Dramaturgieassistent für Schauspiel und Oper an den Städtischen Bühnen Frankfurt am Main bei Harry Buckwitz; weitere Stationen als Dramaturg in Basel, Stuttgart  und Bochum. Dreizehn Jahre Arbeit am Wiener Burgtheater und an der “Weltkomödie Österreich”. Auch Mitarbeit bei den Salzburger Festspielen in der Direktion Gerard Mortier. Seit 1999 Chefdramaturg am Berliner Ensemble. Mitglied des musikalischen Merlin Ensembles Wien. Gelegentlich Regisseur, Rezitator und Zuckerbäcker. 1995 erhielt er zusammen mit Claus Peymann den Berliner Theaterpreis, 1996 den Deutschen Kritikerpreis. Hermann Beil lebt z.Z. in Berlin – Charlottenburg.
 
Thomas Bernhard widmete 1987 Beil das Dramolett Claus Peymann und Hermann Beil auf der Sulzwiese, von Norbert Beilharz mit Peymann und Beil für den SDR aufgezeichnet. 
Péter Esterházy schrieb für Hermann Beil das Dramolett Affolter, Meyer, Beil (Don Juan oder Die glückliche Familie), uraufgeführt im Großen Saal des Mozarteums, Salzburg 2006. Zusammen mit Claus Peymann spielte er bei den Wiener Festwochen 2006 die drei Dramolette Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen, eine Aufführung, die am 30. September 2006 am BE ihre Berliner Premiere hatte. Anläßlich des 92. Geburtstages von George Tabori am 24. Mai 2006 drehte Michael Verhoeven den Film Die poetische Geburtstagstorte mit Hermann Beil als Bäcker der 92 Tabori-Torten, die bei einer Festvorstellung für Tabori im BE George Tabori und dem Publikum überreicht wurden (Sentana Film). Hermann Beils Buch Theaternarren leben länger (Paul Zsolnay Verlag Wien), ist 2007 in 3. erweiteter Auflage erschienen. Hermann Beil ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg. Von 2009 bis 2016 war er Präsident der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste Bensheim.

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