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Jazz / Jazzkonzert / CD-Präsentation

Donnerstag, 05.04.2018 / 19:30

Martin Reiter

"Lucid"

Künstler

Martin Reiter - Klavier

"Schon lange hat es mich gereizt, Grenzen zwischen Improvisation und Komposition auszuloten. Immer öfters kam ich in Situationen, in denen ich bei Kollegen oder bei mir selbst innerhalb der Improvisation eine so starke Motivik und so gelungene musikalische Verarbeitung eines Themas oder eines Leitgedankens beobachten konnte, dass mir die Grenzen zu verwischen schienen. Die Idee war, mich so intensiv damit auseinanderzusetzen, dass ich es fertig bringen würde, Musik aus dem Moment entstehen zu lassen, die man danach transkribieren könnte und als Komposition werten könnte. Sehr verwandt zu der Technik des sogenannten „Instant Composing“.

Bei meiner ersten vollständigen Solo-Cd Inventions & Impressions 2011 waren diese Extemporierungen (Inventions) noch teilweise sehr kurz und ein schöner musikalischer Bogen auf dem Album ließ sich nur durch Mischen mit tatsächlichen Kompositionen (Impressions) erzielen, doch mittlerweilen hat diese Arbeitstechnik solche Früchte getragen, dass die spontan entstehenden Stücke ihre Spannung viel länger halten können und dass die Produktion einer zu 100% improvisierten solo CD verwirklicht werden konnte, die unter dem Titel ex tempore noch 2017 veröffentlicht werden wird.

Doch auch die Gestaltung und Umsetzung von Kompositionen mit einem vorgegebenen Rahmen lässt im Bereich des Jazz eine große Freiheit zu. So experimentiere ich in letzter Zeit auch bei live-Konzerten viel mit der spontanen Interpretation von Jazzstandards oder auch meiner eigenen Stücke. Wenn das Ausgangsmaterial wirklich verinnerlicht wurde, eröffnen sich ungeahnte Möglichkeit bei der Gestaltung von Form, Harmonik oder bei der improvisatorischen Verarbeitung eines Themas. So können die Grenzen zwischen Kompositionen und Improvisationen verfliessen, ähnlich wie die alten Meister zu Bachs Zeiten noch in der Lage waren zu improvisieren oder spontan über ein vorgegebenes Thema zu extemporieren.

Martin Reiter, geb. 1978 in Wien, hat in Linz, Wien, Den Haag und New York City Musik studiert und ist neben umfassenden Aktivitäten als performing artist mittlerweilen selbst Pädagoge an der Musik und Kunstuniversität Wien. Neben Tätigkeiten als Sideman für Größen wie Bennie Maupin, Michael Mantler oder Alegre Correa hört man ihn nun vermehrt als Solo Pianist, mit seinem akustischen und elektrischen Trio und seinem Projekt The Flow, das er gemeinsam mit Andi Tausch ins Leben gerufen hat. Der Release seines ersten Albums Chez es Saada 2005 ebnete viele Wege ins europäische Ausland (Polen, Bulgarien, Deutschland, Schweiz und Slowakei) und das zweite Album Alma, das 2008 den Hans Koller-Preis für die CD des Jahres erhielt, wurde neben Europa sogar in China, Senegal und Brasilien präsentiert. 2011 veröffentlichte er sein erstes reines solo-Album Inventions & Impressions und 2014 seine Doppel-CD acoustic & electric trio. Auch als Komponist in so verschiedenen Genres wie Streichquartett, Kammerorchester, Big Band oder Kinderlied hat sich Reiter mittlerweile einen Namen gemacht und komponierte unter anderem für das Upper Austrian Jazz Orchester, die Robert Bachner Big Band oder die Lungau Big Band. In intensiver Zusammenarbeit mit der Universal Edition ist ein interessanter Kurt Weill Band für verschiedene Solo-Instrumente mit Klavier entstanden, eine Bearbeitung der rumänischen Tänze von Bartok für Saxophon und Klavier und für 2017 ist die Veröffentlichung einer zweibändigen Schule für Jazzklavieranfänger geplant. Nach zwei musikalischen Brasilienreisen, umfassender Tourneetätigkeit mit seiner Alma-Band (feat. Ana Paula da Silva) und einem beachtenswerten Duo-Projekt mit dem deutschen Pianisten Pablo Held konzentriert sich Reiter nun auf die Essenz, auf intuitiv massgeschneiderte Kompositionen und Stegreifimprovisationen für Klavier zu zwei Händen, performed by himself.

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