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Literatur / Autorenlesung

Mittwoch, 20.09.2017 / 19:30

Franzobel

"Das Floß der Medusa"

Lesung

Franzobel - Autorenlesung

18. Juli 1816: Vor der Westküste von Afrika entdeckt der Kapitän der Argus ein etwa zwanzig Meter langes Floß. Was er darauf sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, Haare, starr vor Salz, verbrannte Haut voller Wunden und Blasen… Die ausgemergelten, nackten Gestalten sind die letzten 15 von ursprünglich 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt haben. Da es in den Rettungsbooten zu wenige Plätze gab, wurden sie einfach ausgesetzt. Diese historisch belegte Geschichte bildet die Folie für Franzobels epochalen Roman, der in den Kern des Menschlichen zielt. Wie hoch ist der Preis des Überlebens? 

„Franzobel hat mit seinem Roman das Unmögliche geschafft: Er ruft uns einerseits die Historie in Erinnerung, zum anderen hat er einen erstaunlich lebendigen und hochaktuellen Roman geschrieben. Dabei hilft ihm sein Gespür für das Groteske, seine Fähigkeit, die derben Seiten seiner Figuren herauszustellen, die gesellschaftlichen Widersprüche, ja, die Klassenverhältnisse in den Dialogen deutlich zu machen. Ein verstörendes Meisterwerk." (Carsten Otte, Tagesspiegel)

„Dichte Atmosphäre, großes Gespür für Zeitkolorit und klug aufgebaute Spannungsbögen, garniert mit zynischen, entlarvenden und makabren Dialogen."
 (Werner Krause, Kleine Zeitung)

„Ein sprachliches Meisterwerk voller ironischer Verweise und eine erschütternde Studie menschlichen Verhaltens."
 (Ruth Renée Reif, Der Standard) 

„Für die Schrecken solch einer Grenzsituation die angemessene Erzählsprache zu finden, ist ein poetischer Kraftakt, den Franzobel mit bewundernswerter Souveränität meistert."
 (Christian Schacherreiter, Oberösterreichische Nachrichten)

Franzobel wurde als Franz Stefan Griebl 1967 im oberösterreichischen Vöcklabruck geboren. Nach der Matura ging er 1986 nach Wien, um Germanistik und Geschichte zu studieren. Während des Studiums, das er 1994 mit einem Diplom abschloss, beschäftigte er sich intensiv mit Malerei und Concept Art und versuchte sich als bildender Künstler. Ab 1989 begann er daneben als Literat zu wirken. Seit 1991 ist er freier Schriftsteller.

Seine ersten Werke veröffentlichte er noch im Eigenverlag. Als man ihn 1992/93 zum Linzer Stadtschreiber machte, wurde die österreichische Literaturlandschaft erstmals auf ihn aufmerksam. Spätestens mit der Verleihung des Ingeborg-Bachmann-Preises 1995 für den Erzähltext Die Krautflut, der eine Alltagsgeschichte in sprachakrobatische Wortkaskaden auflöst, wurde Franzobel einem größeren Leserkreis bekannt. Mit einer Vielzahl seither erschienener Werke – die Bandbreite geht von Romanen und Lyrikbänden über Theaterstücke bis hin zu Libretti für Opern und Operetten − entwickelte sich der Sprachkünstler zu einem der bekanntesten und umstrittensten Autoren der Alpenrepublik. Mit dazu beigetragen hat sein von der Kritik mehrheitlich wohlwollend aufgenommener Roman Scala Santa oder Josefine Wurznbachers Höhepunkt (2000). Oberflächlich eine Sex & Crime-Geschichte mit Direktbezug zu Felix Saltens Josefine Mutzenbacher, nimmt er in seinem Buch die Verbindung aus katholischer Inbrunst und sexueller Brunst (Frankfurter Rundschau) in der Wiener Vorstadt ins Visier, nicht ohne auch hier sprachlich aus dem Vollen zu schöpfen. Das geht nicht selten unter die Gürtellinie. Die österreichischen Verhältnisse sind eines der Hauptthemen: sei es in dem Roman Das Fest der Steine oder die Wunderkammer der Exzentrik (2005), in dem Argentinien von lauter Nachkriegsösterreichern besiedelt ist, die mit Nazi-Sprüchen um sich werfen, sei es in dem Band Österreich ist schön. Ein Märchen (2009), der die Situation von Migranten thematisiert. Hat er genug von den nationalen Verhältnissen, widmet er sich einer anderen großen Leidenschaft – nämlich dem Fußball, wie in dem Buch Der Schwalbenkönig (2006). Der Autor, der sich selbst "Sprachaktionist" nennt, ist in seinem Schreiben der Avantgarde der Wiener Gruppe, vor allem Ernst Jandl und Reinhard Priessnitz, verwandt. Aber auch eine Vielzahl anderer Einflüsse ist erkennbar. Er selbst sagt: "Lesen tu ich praktisch alles, was mir in die Hände fällt – von Achternbusch bis Zuckmayer, aber auch Comics und Märchen haben mich stark beeinflusst."

Franzobel wurde mit vielen literarischen Auszeichnungen bedacht, darunter mit der Bert-Brecht-Medaille, dem Arthur-Schnitzler-Preis und dem Nestroy-Theaterpreis. Er lebt in Wien, Pichlwang und Buenos Aires.

Kartenpreis € 27,-

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