Zur Geschichte der Salzkammergut Festwochen Gmunden

 

 

Die Anfänge

 

Kulturgenuss und Sommerfrische – diese kongeniale Verbindung hat eine gute und lange österreichische Tradition. Seit Generationen zog es Städter und Großstädter alljährlich ins Salzkammergut, wenn die Tage heißer wurden und die Frische der Berge und Seen lockte. Die Tatsache, dass der Sommergast auch in dieser Zeit auf den gewohnten kulturellen Genuss nicht verzichten wollte, führte bereits im späten 19. Jahrhundert dazu, dass der aus Salzburg kommende Theaterdirektor Joseph M. Kotzky auf eigene Kosten das Stadttheater in Gmunden errichten ließ. Die Eröffnungsvorstellung fand am 22.6.1872 mit der Operette Die schöne Galathée von Franz von Suppé und der Posse Umsonst oder Der Herr Vetter aus Regensburg von Johann Nestroy statt. Das Stadttheater Gmunden bemühte sich, meist im Zeitraum von Juli bis September jeden Jahres, einen abwechslungsreichen Spielplan zu bieten. Um das anspruchsvolle internationale Kurpublikum, das oft viele Wochen in Gmunden weilte, zum Theaterbesuch anzuregen, wurden in jeder Saison bekannte und beliebte Schauspieler, vorwiegend von Wiener Bühnen für Gastspiele nach Gmunden engagiert.

Wiederaufnahme der Festspielidee

Die Idee der Gmundner Festspiele wurde im Jahr 1987 von den Opernsängern Johannes Jokel und Alfred Werner wieder aktiviert, und das Festival am 18.7.1987 mit einer Operngala eröffnet. In den folgenden Jahren gab es mehrere Eigenproduktionen, einen Schnitzler-Zyklus und eine Reihe von Orchester- und Kammermusikabenden. - 1993 wurde zur Fortführung der Festspielidee der Gmundner Festspielverein gegründet, dessen erster Präsident Dr. Bernhard Wolfram war. Er übernahm zusammen mit Dr. Elke Schuster die Geschäftsführung; mit der künstlerischen Leitung war Prof. Wilfried Tachezi aus Salzburg betraut. Der Nachfolger von Dr. Wolfram war Dr. Harald Diemer.

Intendanz Jutta Skokan

1997 übernahm Jutta Skokan die Geschäftsführung und ab dem Jahr 1999 auch die künstlerische Leitung. Unter ihrer fachkundigen und kreativen Intendanz (mit den Kuratoren Martin Haselböck, Christian Meyer, Franz Schuh, Peter Baumann und Martin Reiter) wurde vor allem die Idee des Mehrsparten-Festivals und der Ausdehnung der „Festwochen Gmunden“ auf die Ferienregion Salzkammergut weiter gepflegt und umgesetzt. Altmünster, Traunkirchen, Ebensee, Bad Ischl, Ohlsdorf, Steyrermühl und Lindach wurden als neue Aufführungsorte mit einbezogen. Die Entwicklung zum Salzkammergut-Festival zeigt das Interesse der ständig neu hinzukommenden Kooperationspartner.

Von 1998 bis 2007 hat sich Gerda Eder als Präsidentin der Gmundner Festwochen mit größtem Engagement für diese bedeutende kulturelle Institution eingesetzt. Ihr Nachfolger Martin Aistleitner setzt bis heute diese Linie fort aufs Tatkräftigste von der Obfrau des Festwochenvereins Christine Zeman unterstützt.

In den Jahren 1999 bis 2001 wurde mit Arnold Schönberg ein neuer musikalischer Programmschwerpunkt gepflegt. Seit 1999 sind Theateraufführungen und Lesungen dem 1989 verstorbenen Literaten Thomas Bernhard gewidmet und als wichtiger Schwerpunkt klar zu erkennen. 2001 kam es zur Erstaufführung der Lampersberg-Oper Die Rosen der Einöde mit Texten von Thomas Bernhard. Diese Programmlinie wurde 2002 mit der Erstaufführung von Köpfe, ebenfalls von Gerhard Lampersberg und Texten von Thomas Bernhard, fortgesetzt. Eigenproduktion 2003: Servus und es ist alles egal, Komödie und Tragödie der Autobiographie von Thomas Bernhard. Tanz - Uraufführung 2004: Extremotions – Love Hurts und Eigenproduktion Ich und Kaminski von Daniel Kehlmann.

Mit mehr als 75 Programmpunkten an 20 verschiedenen Orten, 25 Vernetzungen mit Kulturveranstaltern aus dem ganzen Salzkammergut, Auftritten national und international bekannter Künstler, haben es die Salzkammergut Festwochen Gmunden 2005 erreicht, sich zu einem über die Landesgrenzen hinaus bekannten Kulturereignis zu entwickeln. Die spektakuläre Schwerpunktreihe, die sich zum Ziel gesetzt hat, die weltweit wichtigsten Repräsentanten der Minimal Music dem Publikum vorzustellen, hat Philip Glass, Michael Nyman, Steve Reich und Terry Riley nach Gmunden gebracht.

2006 wurde Wolfgang Amadeus Mozart durch spezielle Schwerpunktveranstaltungen gewürdigt. Im Kreis der Jubilare Heinrich Heine, Rainer Maria Rilke, Arthur Schnitzler, Bertolt Brecht, Samuel Beckett, Dimitri Schostakowitsch und Werner Pirchner stand auch wieder Thomas Bernhard im Zentrum. Klassische Werke, z. B. von Johann Sebastian Bach, Robert und Clara Schumann, Johannes Brahms, Franz Liszt stehen der Moderne gegenüber, die u. a. von Astor Piazzolla, Kurt Schwertsik und Friedrich Cerha vertreten wird. Die Minimal Music-Reihe der Festwochen wurde vom deutsch-amerikanischen Komponisten und Sänger Theo Bleckmann in Richtung Klangskulptur konsequent weiterentwickelt.

In der Festivalsaison 2007 präsentierten die Gmundner Festwochen wieder Neues. So wird seit diesem Jahr jeden Sommer einem Künstler ein mehrtägiges Fest innerhalb des Festivals in Form eines vielfältigen Veranstaltungsschwerpunktes bereitet. Das erste Fest dieser Art feierte Gmunden für Peter Handke. Freunde und Wegbegleiter, Verehrer und Kritiker, Theater- und Filmleute, Journalisten und Germanisten stellten Aspekte von Handkes Arbeit an vier aufeinander folgenden Tagen vor und brachten sie einem interessierten Publikum nahe. Im Rahmen der Schwerpunktreihe, die dem großen österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard gewidmet war, stellte die szenische Aufführung „Holzfällen“ ein besonderes Glanzlicht dar. - Im musikalischen Programm erfuhren besonders Franz Schubert, Johannes Brahms, Arnold Schönberg wie auch Erich Wolfgang Korngold Berücksichtigung - Komponisten, die ihren Bezug zum Salzkammergut in ihr Schaffen verwoben haben. - Opern im Schrammelkleid, Wienerlieder, Schriftsteller wie Herzmanovsky Orlando und Schnitzler waren im neuen Programmschwerpunkt Wien gefühlsecht hautnah zu erleben. Eine neue Vortrags- und Diskussionsreihe Fröhliche Wissenschaft und die junge Reihe Nachtschiff, die allen Kunst und Kultur als spannendes, bisweilen schräges Programm in den Nischen der Nacht bot, vermittelten dem Festival frische Impulse.

2008 präsentierte sich das Fest für Christoph Ransmayr genauso vielschichtig wie das Programm des gesamten Kultursommers der Gmundner Festwochen. Unter dem Thema Spielformen des Erzählens boten die Festwochen in Lesungen, Filmpräsentationen, Ausstellungen, Gesprächen und Konzerten ganz besondere Einblicke in das Leben und Schaffen des großen Schriftstellers. - Das Thomas Bernhard gewidmete literarische Konzert des Orquestra Metropolitana de Lisboa unter der Leitung von Michael Zilm, die szenische Aufführung von Der Schein trügt, u.v.a. trugen dafür Sorge, dass dieser Fixpunkt im Festival bestens verankert ist. - Die Uraufführung der Oper Die Sennenpuppe von Ernst Ludwig Leitner und Alois Schöpf bildete ein weiteres Glanzlicht des Kulturfestivals. Weitere musikalische Höhepunkte: die Mozartoper Don Giovanni unter der Leitung von Martin Sieghart, Orchesterkonzerte des Brucknerorchesters unter der Leitung von Dennis Russell Davies, Uraufführungen von Max Nagl und Martin Reiter.

2009 bot das abwechslungsreiche Programm der Salzkammergut Festwochen Gmunden unter der Intendanz von Jutta Skokan in den Sommermonaten Juli und August hochkarätige Veranstaltungen in den Bereichen Theater, Literatur, Musik, Film und Bildende Kunst. Akteure waren u. a. Sven Eric Bechtolf, Hermann Beil, Otto Brusatti, Marie Colbin, Michael Dangl, Musicbanda Franui, Karl Heinz Hackl, Philipp Hochmair, Christoph Janacs, Robert Meyer, Dennis Russell Davies, Maki Namekawa, Chris Pichler, Peter Rosei, August Schmölzer, Martin Schwab, Paul Wolff-Plottegg. - Der mehrtägige Schwerpunkt mit und für Friederike Mayröcker schloss an die bisherigen für Peter Handke und Christoph Ransmayr an und war ein besonderer Höhepunkt im Festwochen-Programm.

Lebendigkeit und Spannung des Festivals resultieren auch 2010 aus reflektierter Durchmischung in der Programmgestaltung und spartenübergreifender Ausrichtung. In besonderen Aufführungen an den schönsten Plätzen der Traunseeregion boten die Salzkammergut Festwochen ihrem Publikum wiederum ein vielschichtiges Programm an kulturellen Darbietungen: Konzerte in den Bereichen sowohl klassischer als auch zeitgenössischer Musik und des Jazz, Liederabende, Theateraufführungen und Performances, Lesungen, Filme, Ausstellungen, Diskussionen, und vieles mehr. Die Festwochen präsentierten vom 18. Juli bis 21. August 2010 österreichische und internationale Künstler und Geistesgrößen von Rang und Namen, wie Al Di Meola, Gianmaria Testa, Dennis Russell Davies und Maki Namekawa, die Tschechischen Kammersolisten, das Minetti Quartett, Anton Zeilinger, Franz Schuh, Ilija Trojanow, Chris Pichler, Joachim Bißmeier, Martin Schwab, und viele andere. - An den Erfolg der Vorjahre anknüpfend, feierten in diesem Jahr die Salzkammergut Festwochen vom 29. Juli bis 1. August die herausragende österreichische Künstlerpersönlichkeit Ernst Jandl anlässlich des 85. Geburtstages bzw. 10. Todestages. Präsentiert wurden bei jazz me if you can u. a. eine Lesung mit Friederike Mayröcker, musikalisch-literarische Performances mit Wolfram Berger, Wolfgang Puschnig und Jon Sass, Dieter Glawischnig und Dietmar Mues, ein Theaterkonzert mit Christian Muthspiel, Filme, Hörspiele, Impulse und Diskussionen mit Wegbegleitern und Germanisten, wie Franz Schuh, Julian Schutting, Luigi Reitani, Frieder von Ammon, Klaus Siblewski, Bernhard Fetz, Emmy Werner, Bertl Mütter, u. a.

Hochkarätig und international besetzt präsentierten die Salzkammergut Festwochen Gmunden 2011 wiederum ein außergewöhnlich vielfältiges und spannungsreiches Programm. Mit vielen ausverkauften Veranstaltungen, überaus positiven Publikumsreaktionen und einem enormen Medienecho wurde das Festival auch in diesem Jahr zu einem großen Erfolg. Zu den zahlreichen Höhepunkten zählte das Klavierkonzert  der Zwillingsschwestern Ferhan und Ferzan Önder, die nach einem hinreißenden Gastspiel in der ausverkauften Toscana Congress Standing Ovations ernteten. Bejubelt wurde auch  der mosambikanische Superstar Stewart Sukuma, der mit Afro-Pop vom Feinsten das Publikum im voll besetzten Stadttheater begeisterte. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Werk des Büchnerpreisträgers brachte das „Fest für Josef Winkler“, welches mit einem enorm dichten und vielschichtigen Programm fesselte. Eine besonders berührende Lesung gab Sunnyi Melles, die anlässlich des 80. Geburtstags von Thomas Bernhard im Landschloss Ort mit Texten aus der „Auslöschung“ begeisterte. Für stimmungsvolle Abende direkt am bzw. auf dem Traunsee sorgten die Dudlerin Agnes Palmisano in der Bootswerft Frauscher und Ernst Molden auf dem Schiff Karl Eder mit Liedern aus seiner neuen CD „Es Lem“. Auch Freunde des Jazz kamen voll auf ihre Kosten: Hier zählten die Konzerte mit dem Gianluigi Trovesi 5Tet, Dave Dougles und Harri Stojka zu den absoluten Highlights. Zuletzt sei das Philosophische Fest erwähnt, das wie bereits im Jahr zuvor enormes Publikumsinteresse weckte. Hier referierten Geistesgrößen wie Anton Zeilinger, Konrad Paul Liessmann und Franz Schuh über die „göttlichen und Kardinalstugenden“.