Zur Geschichte der Salzkammergut Festwochen Gmunden

 

 

Die Anfänge

 

Kulturgenuss und Sommerfrische – diese kongeniale Verbindung hat eine gute und lange österreichische Tradition. Seit Generationen zog es Städter und Großstädter alljährlich ins Salzkammergut, wenn die Tage heißer wurden und die Frische der Berge und Seen lockte. Die Tatsache, dass der Sommergast auch in dieser Zeit auf den gewohnten kulturellen Genuss nicht verzichten wollte, führte bereits im späten 19. Jahrhundert dazu, dass der aus Salzburg kommende Theaterdirektor Joseph M. Kotzky auf eigene Kosten das Stadttheater in Gmunden errichten ließ. Die Eröffnungsvorstellung fand am 22.6.1872 mit der Operette Die schöne Galathée von Franz von Suppé und der Posse Umsonst oder Der Herr Vetter aus Regensburg von Johann Nestroy statt. Das Stadttheater Gmunden bemühte sich, meist im Zeitraum von Juli bis September jeden Jahres, einen abwechslungsreichen Spielplan zu bieten. Um das anspruchsvolle internationale Kurpublikum, das oft viele Wochen in Gmunden weilte, zum Theaterbesuch anzuregen, wurden in jeder Saison bekannte und beliebte Schauspieler, vorwiegend von Wiener Bühnen für Gastspiele nach Gmunden engagiert.

Wiederaufnahme der Festspielidee

Die Idee der Gmundner Festspiele wurde im Jahr 1987 wieder aktiviert, und das Festival am 18.7.1987 mit einer Operngala eröffnet. In den folgenden Jahren gab es mehrere Eigenproduktionen, einen Schnitzler-Zyklus und eine Reihe von Orchester- und Kammermusikabenden. - 1993 wurde zur Fortführung der Festspielidee der Gmundner Festspielverein gegründet, dessen erster Präsident Dr. Bernhard Wolfram war. Er übernahm zusammen mit Dr. Elke Schuster die Geschäftsführung; mit der künstlerischen Leitung war Prof. Wilfried Tachezi aus Salzburg betraut. Der Nachfolger von Dr. Wolfram war Dr. Harald Diemer.

Intendanz Jutta Skokan

1997 übernahm Jutta Skokan die Geschäftsführung und ab dem Jahr 1999 auch die künstlerische Leitung. Unter ihrer fachkundigen und kreativen Intendanz (mit den Kuratoren Martin Haselböck, Christian Meyer, Franz Schuh, Peter Baumann und Martin Reiter) wurde vor allem die Idee des Mehrsparten-Festivals und der Ausdehnung der „Festwochen Gmunden“ auf die Ferienregion Salzkammergut weiter gepflegt und umgesetzt. Altmünster, Traunkirchen, Ebensee, Bad Ischl, Ohlsdorf, Steyrermühl und Lindach wurden als neue Aufführungsorte mit einbezogen. Die Entwicklung zum Salzkammergut-Festival zeigt das Interesse der ständig neu hinzukommenden Kooperationspartner.

Von 1998 bis 2007 hat sich Gerda Eder als Präsidentin der Gmundner Festwochen mit größtem Engagement für diese bedeutende kulturelle Institution eingesetzt. Ihr Nachfolger Martin Aistleitner setzt bis heute diese Linie fort aufs Tatkräftigste von der Obfrau des Festwochenvereins Christine Zeman unterstützt.

In den Jahren 1999 bis 2001 wurde mit Arnold Schönberg ein neuer musikalischer Programmschwerpunkt gepflegt. Seit 1999 sind Theateraufführungen und Lesungen dem 1989 verstorbenen Literaten Thomas Bernhard gewidmet und als wichtiger Schwerpunkt klar zu erkennen. 2001 kam es zur Erstaufführung der Lampersberg-Oper Die Rosen der Einöde mit Texten von Thomas Bernhard. Diese Programmlinie wurde 2002 mit der Erstaufführung von Köpfe, ebenfalls von Gerhard Lampersberg und Texten von Thomas Bernhard, fortgesetzt. Eigenproduktion 2003: Servus und es ist alles egal, Komödie und Tragödie der Autobiographie von Thomas Bernhard. Tanz - Uraufführung 2004: Extremotions – Love Hurts und Eigenproduktion Ich und Kaminski von Daniel Kehlmann.

Mit mehr als 75 Programmpunkten an 20 verschiedenen Orten, 25 Vernetzungen mit Kulturveranstaltern aus dem ganzen Salzkammergut, Auftritten national und international bekannter Künstler, haben es die Salzkammergut Festwochen Gmunden 2005 erreicht, sich zu einem über die Landesgrenzen hinaus bekannten Kulturereignis zu entwickeln. Die spektakuläre Schwerpunktreihe, die sich zum Ziel gesetzt hat, die weltweit wichtigsten Repräsentanten der Minimal Music dem Publikum vorzustellen, hat Philip Glass, Michael Nyman, Steve Reich und Terry Riley nach Gmunden gebracht.

2006 wurde Wolfgang Amadeus Mozart durch spezielle Schwerpunktveranstaltungen gewürdigt. Im Kreis der Jubilare Heinrich Heine, Rainer Maria Rilke, Arthur Schnitzler, Bertolt Brecht, Samuel Beckett, Dimitri Schostakowitsch und Werner Pirchner stand auch wieder Thomas Bernhard im Zentrum. Klassische Werke, z. B. von Johann Sebastian Bach, Robert und Clara Schumann, Johannes Brahms, Franz Liszt stehen der Moderne gegenüber, die u. a. von Astor Piazzolla, Kurt Schwertsik und Friedrich Cerha vertreten wird. Die Minimal Music-Reihe der Festwochen wurde vom deutsch-amerikanischen Komponisten und Sänger Theo Bleckmann in Richtung Klangskulptur konsequent weiterentwickelt.

In der Festivalsaison 2007 präsentierten die Gmundner Festwochen wieder Neues. So wird seit diesem Jahr jeden Sommer einem Künstler ein mehrtägiges Fest innerhalb des Festivals in Form eines vielfältigen Veranstaltungsschwerpunktes bereitet. Das erste Fest dieser Art feierte Gmunden für Peter Handke. Freunde und Wegbegleiter, Verehrer und Kritiker, Theater- und Filmleute, Journalisten und Germanisten stellten Aspekte von Handkes Arbeit an vier aufeinander folgenden Tagen vor und brachten sie einem interessierten Publikum nahe. Im Rahmen der Schwerpunktreihe, die dem großen österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard gewidmet war, stellte die szenische Aufführung „Holzfällen“ ein besonderes Glanzlicht dar. - Im musikalischen Programm erfuhren besonders Franz Schubert, Johannes Brahms, Arnold Schönberg wie auch Erich Wolfgang Korngold Berücksichtigung - Komponisten, die ihren Bezug zum Salzkammergut in ihr Schaffen verwoben haben. - Opern im Schrammelkleid, Wienerlieder, Schriftsteller wie Herzmanovsky Orlando und Schnitzler waren im neuen Programmschwerpunkt Wien gefühlsecht hautnah zu erleben. Eine neue Vortrags- und Diskussionsreihe Fröhliche Wissenschaft und die junge Reihe Nachtschiff, die allen Kunst und Kultur als spannendes, bisweilen schräges Programm in den Nischen der Nacht bot, vermittelten dem Festival frische Impulse.

2008 präsentierte sich das Fest für Christoph Ransmayr genauso vielschichtig wie das Programm des gesamten Kultursommers der Gmundner Festwochen. Unter dem Thema Spielformen des Erzählens boten die Festwochen in Lesungen, Filmpräsentationen, Ausstellungen, Gesprächen und Konzerten ganz besondere Einblicke in das Leben und Schaffen des großen Schriftstellers. - Das Thomas Bernhard gewidmete literarische Konzert des Orquestra Metropolitana de Lisboa unter der Leitung von Michael Zilm, die szenische Aufführung von Der Schein trügt, u.v.a. trugen dafür Sorge, dass dieser Fixpunkt im Festival bestens verankert ist. - Die Uraufführung der Oper Die Sennenpuppe von Ernst Ludwig Leitner und Alois Schöpf bildete ein weiteres Glanzlicht des Kulturfestivals. Weitere musikalische Höhepunkte: die Mozartoper Don Giovanni unter der Leitung von Martin Sieghart, Orchesterkonzerte des Brucknerorchesters unter der Leitung von Dennis Russell Davies, Uraufführungen von Max Nagl und Martin Reiter.

2009 bot das abwechslungsreiche Programm der Salzkammergut Festwochen Gmunden unter der Intendanz von Jutta Skokan in den Sommermonaten Juli und August hochkarätige Veranstaltungen in den Bereichen Theater, Literatur, Musik, Film und Bildende Kunst. Akteure waren u. a. Sven Eric Bechtolf, Hermann Beil, Otto Brusatti, Marie Colbin, Michael Dangl, Musicbanda Franui, Karl Heinz Hackl, Philipp Hochmair, Christoph Janacs, Robert Meyer, Dennis Russell Davies, Maki Namekawa, Chris Pichler, Peter Rosei, August Schmölzer, Martin Schwab, Paul Wolff-Plottegg. - Der mehrtägige Schwerpunkt mit und für Friederike Mayröcker schloss an die bisherigen für Peter Handke und Christoph Ransmayr an und war ein besonderer Höhepunkt im Festwochen-Programm.

Lebendigkeit und Spannung des Festivals resultieren auch 2010 aus reflektierter Durchmischung in der Programmgestaltung und spartenübergreifender Ausrichtung. In besonderen Aufführungen an den schönsten Plätzen der Traunseeregion boten die Salzkammergut Festwochen ihrem Publikum wiederum ein vielschichtiges Programm an kulturellen Darbietungen: Konzerte in den Bereichen sowohl klassischer als auch zeitgenössischer Musik und des Jazz, Liederabende, Theateraufführungen und Performances, Lesungen, Filme, Ausstellungen, Diskussionen, und vieles mehr. Die Festwochen präsentierten vom 18. Juli bis 21. August 2010 österreichische und internationale Künstler und Geistesgrößen von Rang und Namen, wie Al Di Meola, Gianmaria Testa, Dennis Russell Davies und Maki Namekawa, die Tschechischen Kammersolisten, das Minetti Quartett, Anton Zeilinger, Franz Schuh, Ilija Trojanow, Chris Pichler, Joachim Bißmeier, Martin Schwab, und viele andere. - An den Erfolg der Vorjahre anknüpfend, feierten in diesem Jahr die Salzkammergut Festwochen vom 29. Juli bis 1. August die herausragende österreichische Künstlerpersönlichkeit Ernst Jandl anlässlich des 85. Geburtstages bzw. 10. Todestages. Präsentiert wurden bei jazz me if you can u. a. eine Lesung mit Friederike Mayröcker, musikalisch-literarische Performances mit Wolfram Berger, Wolfgang Puschnig und Jon Sass, Dieter Glawischnig und Dietmar Mues, ein Theaterkonzert mit Christian Muthspiel, Filme, Hörspiele, Impulse und Diskussionen mit Wegbegleitern und Germanisten, wie Franz Schuh, Julian Schutting, Luigi Reitani, Frieder von Ammon, Klaus Siblewski, Bernhard Fetz, Emmy Werner, Bertl Mütter, u. a.

Hochkarätig und international besetzt präsentierten die Salzkammergut Festwochen Gmunden 2011 wiederum ein außergewöhnlich vielfältiges und spannungsreiches Programm. Mit vielen ausverkauften Veranstaltungen, überaus positiven Publikumsreaktionen und einem enormen Medienecho wurde das Festival auch in diesem Jahr zu einem großen Erfolg. Zu den zahlreichen Höhepunkten zählte das Klavierkonzert  der Zwillingsschwestern Ferhan und Ferzan Önder, die nach einem hinreißenden Gastspiel in der ausverkauften Toscana Congress Standing Ovations ernteten. Bejubelt wurde auch  der mosambikanische Superstar Stewart Sukuma, der mit Afro-Pop vom Feinsten das Publikum im voll besetzten Stadttheater begeisterte. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Werk des Büchnerpreisträgers brachte das „Fest für Josef Winkler“, welches mit einem enorm dichten und vielschichtigen Programm fesselte. Eine besonders berührende Lesung gab Sunnyi Melles, die anlässlich des 80. Geburtstags von Thomas Bernhard im Landschloss Ort mit Texten aus der „Auslöschung“ begeisterte. Für stimmungsvolle Abende direkt am bzw. auf dem Traunsee sorgten die Dudlerin Agnes Palmisano in der Bootswerft Frauscher und Ernst Molden auf dem Schiff Karl Eder mit Liedern aus seiner neuen CD „Es Lem“. Auch Freunde des Jazz kamen voll auf ihre Kosten: Hier zählten die Konzerte mit dem Gianluigi Trovesi 5Tet, Dave Dougles und Harri Stojka zu den absoluten Highlights. Zuletzt sei das Philosophische Fest erwähnt, das wie bereits im Jahr zuvor enormes Publikumsinteresse weckte. Hier referierten Geistesgrößen wie Anton Zeilinger, Konrad Paul Liessmann und Franz Schuh über die „göttlichen und Kardinalstugenden“.

2012 feierten die Salzkammergut Festwochen Gmunden ihr 25jähriges Bestehen. Herausragende junge Talente, gefeierte Komponisten und Interpreten, große Namen der österreichischen Literatur, faszinierende Künstler und Geistesgrößen haben ein erstklassiges Jubiläumsfestival ausgerichtet. Zu den Höhepunkten des Festivals zählte eine Hommage an Balduin Sulzer, mit der die Salzkammergut Festwochen Gmunden den 80. Geburtstag des  großen zeitgenössischen Komponisten begingen. Höhepunkt des Abends war die Uraufführung eines Werks von Balduin Sulzer: Im Feigenbaum entstand nach Texten von Sylvia Plath. - Am 5. August gastierte die auf allen renommierten Konzertpodien der Welt beheimatete Starpianistin Khatia Buniatishvili im Toscana Congress Gmunden, u.a. mit Werken von Franz Liszt. Ein sensationeller Erfolg. - Über die Klassik hinaus standen spannende Musikabende auf dem Programm: Ein Höhepunkt für Jazzfreunde war das Konzert von  Jean-Luc Ponty, dem unangefochtenen Meister der Violine im Jazzbereich, mit seiner Band am 22. Juli. Der mosambikanische Superstar Stewart Sukuma war am 24. Juli gemeinsam mit seiner Banda Nkhuvu, dem Linzer Posaunisten und Fotografen Werner Puntigam in einer erstmaligen Formation gemeinsam mit dem Spring String Quartet, einem der führenden Jazz-Rock-Classical Cross-Over Streichquartetten Europas, zu hören.  - Ein weiterer musikalischer Höhepunkt des Festivals war das Konzert von Misia am 12. August. Begnadet mit einer Jahrhundertstimme, interpretierte die aus Oporto stammende Königin des Fado traditionelle melancholische Lieder ihrer Heimat. Jubel im ausverkauften Stadttheater! - Vom 9. bis 12. August 2012 war der Literaturschwerpunkt dem vielfach ausgezeichneten Schriftsteller Robert Menasse gewidmet. Mit Christoph Ransmayr, Franz Schuh, Anna Kim, Konrad Paul Liessmann, Cornelius Obonya, Wolfgang Kos u.v.a. Eine Lesereihe war Arthur Schnitzler zum 150. Geburtstag gewidmet. Der Schriftsteller und Essayist Franz Schuh las aus Leutenant Gustl. Am folgenden Tag las die Burgschauspielerin Dorothee Hartinger aus Fräulein Else. schließlich war Ernst Konarek mit Novellen der Schuld zu hören. Texten von Thomas Bernhard waren zwei Lesungen im Thomas-Bernhard-Haus in Ohlsdorf gewidmet. Mit Johann Adam Oest und Otto Sander. Abschließend verdient auch das Philosophische Fest besondere Erwähnung: Geistesgrößen aus den verschiedensten Disziplinen referierten und diskutierten zum Thema Ziemlich trist. Aspekte des Unglücks. Mit Anton Zeilinger, Franz Schuh, Philipp Blom und Robert Pfaller.    

Die Bilanz der Salzkammergut Festwochen Gmunden 2013 präsentierte sich überaus positiv: 15.000 Besucher bei rund 70 Veranstaltungen an 26 verschiedenen Schauplätzen des Salzkammerguts, ein großes Medieninteresse und begeisterte Publikumsreaktionen bestätigen die facettenreiche und dichte Programmkonzeption der Intendantin Jutta Skokan. Viele Veranstaltungen hatten eine Auslastung von einhundert Prozent. Einige Höhepunkte: Eine musikalische Sternstunde bescherte Starpianistin Yuja Wang am 21. Juli mit ihrem fulminanten Klavierkonzert im Toscana Congress Gmunden. Begeisterten Applaus erntete auch der international gefeierte Saxofonist Kenny Garrett mit seiner Jazzformation im vollbesetzten Stadttheater Gmunden. Sunnyi Melles Eröffnungslesung aus Frost im Thomas-Bernhard-Haus in Ohlsdorf gehörte ebenso zu den herausragenden und bewegenden Momenten dieses Festivalsommers. Ein großer Erfolg war auch der hochkarätig besetzte Literaturschwerpunkt, der in diesem Jahr Gerhard Rühm gewidmet war. Intendantin Jutta Skokan: „Es war eine intensive Begegnung mit der Person und dem Werk Gerhard Rühms. Lesungen, Vorträge und Diskussionen gaben Raum für eine differenzierte Auseinandersetzung und neue Einblicke in sein Schaffen. Sich einem weiten Publikum zu öffnen, das ist das gelebte Bekenntnis der Intendantin. Mit dem 2012 gestarteten Projekt cultureclub4you (in Kooperation mit dem Jugendreferat des Landes Oberösterreich) gelang es auch in diesem Jahr, Jugendliche als Redakteure aktiv in das Festivalgeschehen zu integrieren und ein junges Publikum anzusprechen. Insgesamt sieben SchülerInnen  veröffentlichen ihre Sicht auf das Festival mit Bildern und Texten auf dem eigens eingerichteten Blog www.festwochen.wordpress.com, auf Facebook etc.

Sehr erfolgreich verlief die Spielsaison der Salzkammergut Festwochen Gmunden 2014. Erstmals fand in diesem Jahr die neue Festivalreihe Osterfestspiel in Kooperation mit der Ferienregion Traunsee statt (12. April bis 3. Mai). Zahlreiche Gäste sind der Einladung gefolgt, den Frühling in der herrlichen Landschaft des Salzkammerguts zu erleben und das hochkarätige Kulturangebot des Festivals genießen. Positiv auch die Bilanz des Sommerfestivals: 15.000 Gäste besuchten die rund 80 Veranstaltungen an 27 verschiedenen Schauplätzen des Salzkammerguts. Viele Veranstaltungen waren ausverkauft, groß war das mediale Interesse. Ein großer Erfolg war die Konzertreihe Geschwister und Seelenverwandte: Eine musikalische Sternstunde bescherten die Pianistinnen Katia und Marielle Labèque am 18. Juli mit ihrem fulminanten Klavierkonzert im Toscana Congress Gmunden. Ebenso begeisterten Applaus ernteten die Zwillingsschwestern Ferhan und Ferzan Önder: Sie traten am 16. August mit den Überraschungskünstlern Martin Grubinger auf. Ein großer Erfolg war auch der hochkarätig besetzte Literaturschwerpunkt, der in diesem Jahr Felix Mitterer gewidmet war. Intendantin Jutta Skokan: "Es war eine intensive Begegnung mit der Person und dem Werk Felix Mitterers. Lesungen, Theateraufführungen, Filme und Diskussionen gaben Raum für eine differenzierte Auseinandersetzung und neue Einblicke in sein Schaffen. Einen besonderen Höhepunkt stellte Felix Mitterers Darstellung des Affen Rotpeter in Franz Kafkas Bericht für eine Akademie dar." Also sie ham uns den Ferdinand erschlagen, lautete der Titel des Schwerpunkts, welcher der 100-jährigen Wiederkehr des Beginns des Ersten Weltkriegs gewidmet war. Hier wurde die Lesung mit Maria Hofstätter und Franz Schuh zu einem glänzenden und bejubelten Höhepunkt. Die beliebte Schauspielerin las aus Karl Kraus´Die letzten Tage der Menschheit, kommentiert und begleitet von Franz Schuh, der die Veranstaltungsreihe kuratierte. Fortgesetzt wurde das 2012 gestartete Projekt cultureclub4you (in Kooperation mit dem Jugendreferat des Landes Oberösterreich). Wiederum nahmen Jugendliche als Redakteure aktivam Festivalgeschehen teil. Jugendredakteurinnen begleiteten den Literaturschwerpunkt Ein Fest für Felix Mitterer und veröffentlichten ihre Sicht auf das Festival mit Bildern und Texten.

Das 29. Sommerfestival der Salzkammergut Festwochen Gmunden ist mit großem Erfolg über die Bühne gegangen.  Das facettenreiche und dichte Programm - 81 Veranstaltungen dargeboten von rund 300 Künstlern und Künstlerinnen an 24 verschiedenen Schauplätzen – lockte im Juli und August insgesamt 15.000 Besucher an den Traunsee. Die welt der kunst. die kunst der welt lautete das Thema des heurigen Festwochensommers am Traunsee. Intendantin Jutta Skokan: „Weil wir KünstlerInnen und InterpretInnen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen eingeladen haben, war die musikalische Vielfalt eine ganz besonders faszinierende und facettenreiche.“  - In diesem Sinne gestaltete die moldawische Geigerin Patricia Kopatchinskaja einen fulminanten musikalischen Auftakt des Festivals. Es folgten zahlreiche weitere konzertante Höhepunkte mit Hope Masike, Al Di Meola, China Moses, Kirk Lightsey, Ricardo Herandez, Fazil Say, Filipa Cardoso u.v.a. Weitere musikalische  Höhepunkte:  ein reich nuanciertes musikalisches und literarisches Vortragsprogramm mit Ildiko Raimondi, Herbert & Julius Anton Zeman im intimen Rahmen der Römerkirche in Aurachkirchen, ein bejubeltes Concerto! mit Martin Haselböck, der Wiener Akademie und Michael Oman sowie ein feiner Liederabend mit Daniela Fally. Zeitgenössische Musik: STUDIO DAN und Agnes Heginger präsentierten Lieder von Friedrich Cerha. Eine Uraufführung fand im Rahmen des Literaturschwerpunkt Ein Fest für Peter Rosei statt: Die Globalisten von Christoph Theiler nach dem gleichnamigen Roman von Peter Rosei, dem der Literaturschwerpunkt 2015 gewidmet war. Im Rahmen der intensiven Auseinandersetzung mit dem Autor, der 2016 seinen 70. Geburtstag feiern wird, gelang eine umfassende Würdigung seiner Person und seines Werks. - Weitere Veranstaltungsreihen waren Franz Kafka und Erich Kästner gewidmet. Lesungen, eine Performance, Filme und eine musikalische Revue gaben einen vielschichtigen Blick auf das Werk dieser beiden Dichter, „die sich bis zur Beziehungslosigkeit voneinander unterscheiden.“ (Kurator Franz Schuh) – Traditionell war auch in diesem Sommer eine Lesereihe dem Schaffen Thomas Bernhards gewidmet. Großartig: Die Lesung von Burgschauspieler Martin Schwab aus Die Macht der Gewohnheit. Nicole Heesters und Johannes Silberschneider gestalteten weitere bejubelte Abende im Thomas Bernhard Haus. - Viel Neues und Experimentelles wurde im Bereich Theater/Performance gezeigt: Die junge Oberösterreicherin Natalie Ananda Assmann inszenierte einen performativen Monolog mit Musik: Iphigenie auf Kobane, einen theatralen Schnitt durch die Literatur- und Zeitgeschichte: von Antigone bis hin zu den kurdischen Kämpferinnen in Kobane. BASSBOXTRING, ein Projekt der aus Gmunden stammenden Kunstexpertin Alexandra Grimmer, bot eine spektakuläre Klang-Performance mit Nora Jacobs, Bartosz Sikorski und Alexander Gabryś. - Erstmals fand ein interdisziplinärer Architekturschwerpunkt im Rahmen der Festwochen statt:  Am 14. und 15. August trafen sich Architekten, Philosophen und Wissenschaftler in der Villa Lanna Gmunden, um  Fragen zum Thema Was bleibt? Architektur – Philosophie – Wissenschaft zu referieren und zu diskutieren. Mit Walter Angonese, Jan Bazant, Dietmar Eberle, Karl- Günter Kaindlstorfer,  Thomas Macho, Elsa Prochazka, Peter Riepl, Franz Schuh, Heinz Ströhle, Christoph Wiesmayr, Anton Zeilinger und  Stefan Zweifel. Dieser Programmpunkt ist künftig fixer Bestandteil des Programms der Festwochen. - Auch Bildende Kunst stand wiederum auf dem Programm der Festwochen: Zwölftonreihe für Lutoslawski: Der in Polen geborene, seit 15 Jahren in Wien lebende Künstler Bartosz Sikorski zeigte anhand aktueller Arbeiten seine vielseitige Auseinandersetzung mit den Medien Malerei, Objekt und Video. Open Now: Die Ausstellung zeigte ausgewählte Arbeiten von Jork Weismann, international erfolgreicher Fotograf mit Gmundner Wurzeln. Unterwegs: Im Rahmen des Literaturschwerpunkts Ein Fest für Peter Rosei wurden Bilder von Wolfgang Zeindl nach Texten von Peter Rosei gezeigt.
Eine neue Veranstaltungsreihe fand erstmalig im September statt: Blätterrauschen. Höhepunkt war die Lesung der gefeierten Schauspielerin Iris Berben. Sie las aus Da geht ein Mensch von Alexander Granach. - Eine besondere Freude für das Festwochenteam: Im Rahmen eines Festaktes im Stadttheater Gmunden verlieh Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer am 2. August den Berufstitel Professorin an Intendantin Jutta Skokan. Diese Auszeichnung wurde Jutta Skokan von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer in Würdigung ihres langjährigen verdienstvollen Wirkens verliehen.